Wer sich zum ersten Mal mit dem neuen EU-Geldwäschepaket beschäftigt, stolpert schnell über ein Kürzel-Dickicht: AMLR, AMLD6, AMLA — und dahinter Verordnungsnummern wie 2024/1624 und 2024/1640. Dieser Beitrag sortiert die drei Rechtsakte und erklärt, welcher davon Ihre tägliche Arbeit als Verpflichteter tatsächlich verändert.
Rechtsakt 1: Die AMLR — das einheitliche Regelwerk
Die Verordnung (EU) 2024/1624 — die Geldwäscheverordnung oder AMLR — ist das Herzstück des Pakets. Sie gilt ab dem 10. Juli 2027 unmittelbar in Deutschland und ersetzt die materiellen Regeln des Geldwäschegesetzes (GwG). Bis dahin bleibt das GwG anwendbar.
„Unmittelbar“ ist hier das Schlüsselwort: Eine EU-Verordnung braucht kein deutsches Umsetzungsgesetz. Die Pflichten, die Sie ab Juli 2027 erfüllen, stehen direkt im Verordnungstext — dieselben Regeln gelten wortgleich in allen Mitgliedstaaten. Deshalb spricht man vom „Single Rulebook“.
Die AMLR regelt das, was Verpflichtete im Alltag tun: Sorgfaltspflichten und ihre Schwellen (die allgemeine Schwelle für Gelegenheitstransaktionen sinkt von 15.000 € auf 10.000 €, dazu kommt eine neue 3.000-€-Schwelle für Bargeld), die Definition des wirtschaftlich Berechtigten (künftig „25 % oder mehr“ statt „mehr als 25 %“), die internen Compliance-Funktionen (Compliance-Manager nach Art. 11 Abs. 1, Compliance-Officer nach Art. 11 Abs. 2), Aufbewahrungspflichten (fünf Jahre, Art. 77) und die EU-weite Obergrenze für gewerbliche Barzahlungen über 10.000 € (Art. 80). Wenn Sie nur einen der drei Rechtsakte lesen wollen, dann diesen — oder unseren AMLR-Überblick.
Rechtsakt 2: Die AMLD6 — die Richtlinie für Aufsicht und Register
Die Richtlinie (EU) 2024/1640 — die sechste Geldwäscherichtlinie, AMLD6 — funktioniert anders. Als Richtlinie richtet sie sich an die Mitgliedstaaten, nicht direkt an Sie. Deutschland muss sie bis zum 10. Juli 2027 in nationales Recht umsetzen; ein deutsches Umsetzungsgesetz steht Mitte 2026 noch aus.
Die AMLD6 regelt die institutionelle Seite: wie die nationale Aufsicht organisiert wird, wie die Transparenzregister der Mitgliedstaaten funktionieren und zusammenarbeiten, und welche Aufgaben die zentralen Meldestellen (FIUs) haben. Für den deutschen Nichtfinanzsektor ist das keine Nebensache — nach der FATF-Bewertung von 2022 teilen sich hierzulande über 300 Behörden die Geldwäscheaufsicht über den Nichtfinanzsektor, während die BaFin den Finanzsektor zentral beaufsichtigt. Wie der deutsche Gesetzgeber die Aufsicht im Zuge der Umsetzung ordnet, bleibt abzuwarten.
Rechtsakt 3: Die AMLA-Verordnung — die neue EU-Behörde
Der dritte Baustein ist die Verordnung, die die neue EU-Geldwäschebehörde AMLA errichtet. Die AMLA hat ihren Sitz in Frankfurt am Main und arbeitet seit dem 1. Juli 2025. Ab dem 1. Januar 2028 beaufsichtigt sie bis zu 40 ausgewählte Finanzunternehmen mit hohem Risiko direkt.
Heißt das, die AMLA wird Ihre Aufsichtsbehörde? Für die allermeisten deutschen Verpflichteten: nein. Steuerberaterkammern, Rechtsanwaltskammern, Landesbehörden und die übrigen Aufseher bleiben zuständig. Die AMLA ist für Sie trotzdem relevant — aus zwei Gründen. Erstens erarbeitet sie die technischen Regulierungsstandards (RTS) und Leitlinien, die die offenen Punkte der AMLR konkretisieren; sie werden noch bis 2026/27 verabschiedet. Zweitens soll sie für einheitliche Aufsichtspraxis in der EU sorgen — die Erwartungen an Ihre Dokumentation dürften sich also europaweit angleichen.
Die Arbeitsteilung auf einen Blick
| Rechtsakt | Art | Gilt ab / Umsetzung bis | Regelt |
|---|---|---|---|
| AMLR (VO (EU) 2024/1624) | Verordnung, gilt unmittelbar | 10. Juli 2027 | Pflichten der Verpflichteten: Sorgfaltspflichten, Schwellen, wirtschaftlich Berechtigte, Compliance-Funktionen, Bargeldobergrenze |
| AMLD6 (RL (EU) 2024/1640) | Richtlinie, braucht deutsches Gesetz | Umsetzung bis 10. Juli 2027 | Aufsicht, Register, FIUs — die institutionelle Architektur |
| AMLA-Verordnung | Verordnung | Behörde arbeitet seit 1. Juli 2025 | Errichtung und Befugnisse der EU-Behörde AMLA |
Was das für Ihre Planung bedeutet
Aus der Dreiteilung folgt eine klare Priorisierung:
- Richten Sie Ihre Verfahren an der AMLR aus. Sie ist der Rechtsakt, der Ihre Checklisten, Schwellenwerte und Akten unmittelbar betrifft. Ein strukturierter Fahrplan steht im Leitfaden AMLR-Bereitschaftsplan.
- Beobachten Sie die AMLD6-Umsetzung, ohne auf sie zu warten. Die materiellen Pflichten gelten ab dem 10. Juli 2027 auch dann, wenn das deutsche Umsetzungsgesetz zur Aufsichtsstruktur später Konturen annimmt.
- Rechnen Sie mit Konkretisierungen durch die AMLA. Planen Sie eine Überprüfung Ihrer Unterlagen ein, wenn die technischen Standards vorliegen.
Unsicher, ob die neuen Regeln Sie überhaupt betreffen? Der Selbsttest Bin ich verpflichtet? gibt eine erste Einordnung; zentrale Begriffe erklärt das Glossar.
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Allgemeine Informationen, keine Rechtsberatung. Dieser Artikel informiert allgemein über EU- und deutsche Geldwäschepflichten. Er ist keine Rechts-, Steuer- oder Compliance-Beratung. Regulatorische Details entwickeln sich bis 2027 weiter — prüfen Sie Primärquellen (EUR-Lex, AMLA und Ihre zuständige Aufsichtsbehörde) und holen Sie qualifizierten Rat ein, bevor Sie handeln.