← Alle ArtikelAlle Unternehmen20. Juni 2026 · 5 Min. Lesezeit

Die AMLA in Frankfurt: Was die neue EU-Geldwäschebehörde für Ihre Kanzlei bedeutet

Die AMLA arbeitet seit dem 1. Juli 2025 in Frankfurt am Main. Direkt beaufsichtigt sie nur wenige Finanzunternehmen — den Nichtfinanzsektor erreicht sie trotzdem.

Seit dem 1. Juli 2025 arbeitet in Frankfurt am Main eine neue europäische Behörde: die AMLA, die EU-Behörde zur Bekämpfung der Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung. Wenn Sie eine Steuerkanzlei, ein Notariat, eine Immobilienmaklerfirma oder einen Güterhandel führen, liegt eine Frage nahe: Wird diese Behörde künftig mein Unternehmen prüfen?

Die kurze Antwort lautet: mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nein. Die längere Antwort: Die AMLA wird Ihren Compliance-Alltag trotzdem verändern — nur eben mittelbar, über die Standards, die sie schreibt, und über den Druck, den sie auf die deutschen Aufsichtsbehörden ausübt.

Was die AMLA ist

Die AMLA ist Teil des EU-Geldwäschepakets von 2024, das aus drei Instrumenten besteht:

  • Die AMLR — die Verordnung (EU) 2024/1624, das einheitliche europäische Regelwerk für Sorgfaltspflichten, wirtschaftlich Berechtigte und interne Sicherungsmaßnahmen. Sie gilt ab dem 10. Juli 2027 unmittelbar in Deutschland und löst die materiellen Regeln des Geldwäschegesetzes (GwG) ab.
  • Die AMLD6 — die Richtlinie (EU) 2024/1640, die die nationalen Aufsichtsstrukturen und Register ordnet und bis zum selben Datum umzusetzen ist.
  • Die AMLA-Verordnung, die die Behörde selbst schafft.

Die AMLA hat ihren Sitz in Frankfurt am Main und ist seit dem 1. Juli 2025 arbeitsfähig. Ihre technischen Regulierungsstandards und Leitlinien werden noch bis in die Jahre 2026 und 2027 hinein verabschiedet — sie landen also genau jetzt, im Vorfeld des Anwendungsbeginns der AMLR.

Wen die AMLA direkt beaufsichtigt — und wen nicht

Die direkte Aufsicht der AMLA ist eng begrenzt: Ab dem 1. Januar 2028 beaufsichtigt sie unmittelbar bis zu 40 ausgewählte Hochrisiko-Finanzunternehmen mit grenzüberschreitender Tätigkeit. Das sind große Banken und Finanzdienstleister — keine Steuerberater, keine Notariate, keine Maklerbüros, keine Händler.

Für den Nichtfinanzsektor bleibt die Aufsicht national. In Deutschland heißt das: Ihre Kammer oder Ihre Landesbehörde bleibt zuständig — wer genau, hängt von Ihrem Sektor ab. Einen Überblick über die deutsche Aufsichtslandschaft finden Sie in unserem Beitrag über die fragmentierte Geldwäscheaufsicht.

Warum die AMLA Sie trotzdem betrifft

Drei Wirkungswege sind für den Nichtfinanzsektor praktisch relevant.

1. Die AMLA schreibt das Kleingedruckte der Regeln, die Sie ab 2027 anwenden

Die AMLR ist bewusst als einheitliches Regelwerk angelegt, delegiert aber viele operative Details an die AMLA: technische Standards, Durchführungsstandards und Leitlinien. Wie eine Risikoanalyse aussehen soll, wie Sorgfaltspflichten im Detail umzusetzen sind, welche Erwartungen an interne Kontrollen gestellt werden — vieles davon konkretisiert Frankfurt, nicht Berlin. Wenn Ihre Aufsichtsbehörde ab 2027 Ihre Akte prüft, wird ihr Maßstab in erheblichem Umfang auf AMLA-Publikationen zurückgehen.

2. Die AMLA treibt die Aufsichtskonvergenz voran

Ein Kernauftrag der AMLA ist es, dafür zu sorgen, dass nationale Behörden in allen Mitgliedstaaten das Regelwerk nach einem gemeinsamen Standard anwenden. Für Deutschland ist das besonders spürbar: Die FATF hat in ihrer Prüfung 2022 festgehalten, dass sich über 300 Behörden die Geldwäscheaufsicht über den deutschen Nichtfinanzsektor teilen. Je stärker die AMLA einheitliche Erwartungen an Prüfpraxis und Durchsetzung formuliert, desto weniger hängt es vom Zufall des Bundeslandes ab, wie intensiv Sie geprüft werden — die Richtung zeigt klar nach oben.

3. Das Regelwerk selbst wird europäisch

Ab dem 10. Juli 2027 gelten die materiellen Pflichten unmittelbar aus der AMLR: neue Schwellenwerte bei Sorgfaltspflichten, ein geändertes Kriterium für wirtschaftlich Berechtigte, formalisierte Compliance-Funktionen. Ein Compliance-Programm, das ausschließlich für die GwG-Welt geschrieben wurde, ist an diesem Tag veraltet — so sorgfältig es auch gepflegt wurde. Was sich konkret ändert, erklärt unsere AMLR-Übersicht.

Was bis dahin gilt

Genauso wichtig ist, was sich nicht ändert:

  • Bis zum 10. Juli 2027 bleibt das GwG Ihr Maßstab. Nichts an der AMLA setzt Ihre heutigen Pflichten aus.
  • Verdachtsmeldungen bleiben ein nationaler Prozess: Sie melden weiterhin elektronisch über goAML an die deutsche FIU — mehr dazu in unserem Beitrag zur FIU als Zentralstelle.
  • Ihre Aufsichtsbehörde bleibt die, die Sie heute haben.

Was Sie jetzt tun sollten

  1. Termine notieren: AMLA-Standards landen laufend bis 2027; die AMLR gilt ab dem 10. Juli 2027.
  2. Zuständigkeit klären: Wissen Sie sicher, welche Behörde Sie beaufsichtigt — und ob Sie überhaupt Verpflichteter sind? Unser Selbsttest hilft bei der Einordnung.
  3. Lücken prüfen: Gleichen Sie Ihr heutiges GwG-Programm mit den AMLR-Kernänderungen ab. Ein strukturierter Einstieg ist unser AMLR-Bereitschaftsplan.
  4. Verantwortung zuweisen: Jemand in Ihrem Haus sollte die für Ihren Sektor relevanten Veröffentlichungen verfolgen — oder Sie verlassen sich auf einen Anbieter, der das übernimmt.

Wie CompliDesk hilft

CompliDesk Deutschland wird AMLR-nativ aufgebaut: Risikoanalyse, Richtlinien und Arbeitsabläufe sind heute GwG-konform und auf die Verordnung (EU) 2024/1624 hin angelegt, neue AMLA-Standards werden fortlaufend eingearbeitet. Sichern Sie sich Frühzugang über die Warteliste oder vereinbaren Sie eine Demo.

Allgemeine Informationen, keine Rechtsberatung. Bitte prüfen Sie alle Angaben vor einer Entscheidung stets gegen die Primärquellen — Gesetzestexte, EU-Verordnungen und die Verlautbarungen Ihrer Aufsichtsbehörde.

Allgemeine Informationen, keine Rechtsberatung. Dieser Artikel informiert allgemein über EU- und deutsche Geldwäschepflichten. Er ist keine Rechts-, Steuer- oder Compliance-Beratung. Regulatorische Details entwickeln sich bis 2027 weiter — prüfen Sie Primärquellen (EUR-Lex, AMLA und Ihre zuständige Aufsichtsbehörde) und holen Sie qualifizierten Rat ein, bevor Sie handeln.

AMLR-bereit vor dem 10. Juli 2027

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