← Alle ArtikelAlle Unternehmen20. Juni 2026 · 6 Min. Lesezeit

Die EU-Geldwäscheverordnung (AMLR) im Überblick: Was sich am 10. Juli 2027 für deutsche Verpflichtete ändert

Ab dem 10. Juli 2027 gilt die Verordnung (EU) 2024/1624 unmittelbar in Deutschland und ersetzt die materiellen Regeln des GwG. Der Überblick für Verpflichtete.

Wenn Ihre internen Richtlinien heute auf das Geldwäschegesetz (GwG) verweisen, sollten Sie sich ein Datum vormerken: den 10. Juli 2027. An diesem Tag beginnt die Verordnung (EU) 2024/1624 — die EU-Geldwäscheverordnung, kurz AMLR — unmittelbar in Deutschland zu gelten. Sie ersetzt die materiellen Regeln des GwG; bis dahin gilt das GwG unverändert weiter.

Dieser Beitrag gibt Ihnen den Überblick: Was ist die AMLR, wen betrifft sie, welche Zahlen ändern sich, und was sollten Sie jetzt tun?

Eine Verordnung statt eines nationalen Gesetzes

Der entscheidende Unterschied zur bisherigen Rechtslage liegt in der Rechtsform. Das GwG ist ein deutsches Gesetz, das EU-Richtlinien umsetzt. Die AMLR ist eine EU-Verordnung — das „einheitliche Regelwerk“ („Single Rulebook“) der EU-Geldwäschebekämpfung. Sie braucht kein deutsches Umsetzungsgesetz und gilt ab dem 10. Juli 2027 unmittelbar. Parallel dazu muss Deutschland die sechste Geldwäscherichtlinie (AMLD6, Richtlinie (EU) 2024/1640) bis zum selben Datum umsetzen; sie regelt vor allem Aufsicht und Register.

Für Ihre Praxis bedeutet das: Die Sorgfaltspflichten, die Sie ab Juli 2027 anwenden, stehen künftig direkt im EU-Verordnungstext — nicht mehr in den Paragrafen des GwG.

Wer bleibt Verpflichteter?

Die gute Nachricht zuerst: Die deutschen Sektoren, die heute nach § 2 Abs. 1 GwG verpflichtet sind, bleiben es auch unter der AMLR. Dazu gehören unter anderem:

  • Wirtschaftsprüfer, vereidigte Buchprüfer, Steuerberater und Steuerbevollmächtigte — verpflichtet ohne Katalogbeschränkung. Details auf der Seite für Steuerberater.
  • Rechtsanwälte und Notare — verpflichtet bei bestimmten Kataloggeschäften, etwa Immobilien- und Unternehmenskäufen oder der Verwaltung von Mandantengeldern. Mehr dazu unter Rechtsanwälte & Notare.
  • Immobilienmakler — einschließlich Vermittlung von Miet- und Pachtverträgen ab 10.000 € Monatsmiete. Siehe Immobilienmakler.
  • Dienstleister für Gesellschaften und Treuhandvermögen (TCSPs) — siehe TCSP-Dienstleister.
  • Güterhändler, Kunstvermittler und Kunstlagerhalter — siehe Güterhändler.

Die AMLR erweitert den Kreis zusätzlich, etwa um Anbieter von Kryptowerte-Dienstleistungen, Crowdfunding-Plattformen sowie Händler von Luxus- und Kulturgütern. Wenn Sie unsicher sind, ob Ihr Unternehmen betroffen ist, hilft unser kurzer Selbsttest: Bin ich verpflichtet?

Die wichtigsten Änderungen in Zahlen

Drei Änderungen werden Sie im Alltag am deutlichsten spüren:

  1. Schwelle für Gelegenheitstransaktionen sinkt von 15.000 € auf 10.000 € (Art. 19 Abs. 1 AMLR). Einmalgeschäfte zwischen 10.000 € und 15.000 €, die heute unter der Schwelle liegen, lösen künftig Sorgfaltspflichten aus.
  2. Neue 3.000-€-Schwelle für Bargeld: Gelegenheitstransaktionen in bar ab 3.000 € lösen Identifizierungspflichten aus (Art. 19 Abs. 4 AMLR).
  3. EU-weite Bargeldobergrenze: Ab dem 10. Juli 2027 sind gewerbliche Barzahlungen über 10.000 € verboten (Art. 80 AMLR) — für Deutschland, das bislang keine allgemeine Bargeldobergrenze kennt, eine echte Neuerung. Zahlungen zwischen Privatpersonen bleiben unbegrenzt.

Auch beim wirtschaftlich Berechtigten ändert sich eine Zahl mit großer Wirkung: Aus „mehr als 25 %“ der Kapitalanteile oder Stimmrechte (§ 3 GwG) wird „25 % oder mehr“. Wer exakt 25 % hält, wird damit erstmals wirtschaftlich Berechtigter.

Neue Rollen, neue Aufsicht

Die AMLR ordnet auch die interne Organisation neu. An die Stelle des heutigen Geldwäschebeauftragten-Modells treten zwei definierte Funktionen: der Compliance-Manager als Mitglied der Leitungsebene (Art. 11 Abs. 1 AMLR) und der Compliance-Officer (Art. 11 Abs. 2 AMLR). Wo Größe und Risiko es rechtfertigen, darf eine Person beide Rollen wahrnehmen (Art. 11 Abs. 7). Unser Leitfaden Compliance-Funktionen besetzen zeigt, wie kleine Kanzleien und Büros das praktisch lösen.

Auf europäischer Ebene arbeitet seit dem 1. Juli 2025 die neue EU-Geldwäschebehörde AMLA — mit Sitz in Frankfurt am Main. Ab dem 1. Januar 2028 beaufsichtigt sie bis zu 40 ausgewählte Finanzunternehmen mit hohem Risiko direkt. Für die meisten deutschen Verpflichteten bleibt die nationale Aufsicht zuständig; wichtig ist die AMLA vor allem, weil sie die technischen Standards erarbeitet, die die AMLR-Pflichten konkretisieren — sie werden noch bis 2026/27 verabschiedet.

Was gilt für Bestandsmandanten?

Sie müssen nicht alle Akten am Stichtag auf einmal umstellen: Die Nachholung der Sorgfaltspflichten bei bestehenden Kunden darf über bis zu fünf Jahre ab dem 10. Juli 2027 gestreckt werden — Hochrisiko-Beziehungen müssen spätestens nach einem Jahr aktualisiert sein (Art. 26 Abs. 2 AMLR). Trotzdem gilt: Je früher Sie Ihre Akten AMLR-fähig strukturieren, desto kleiner der Berg im Jahr 2027.

Was Sie jetzt tun sollten

  1. Verschaffen Sie sich einen Überblick, wo in Ihren Dokumenten GwG-Schwellen und -Begriffe stehen — Richtlinien, Onboarding-Checklisten, Schulungsunterlagen.
  2. Aktualisieren Sie Ihre Risikoanalyse und planen Sie die Umstellung der Schwellenwerte zum Stichtag.
  3. Klären Sie frühzeitig, wer bei Ihnen Compliance-Manager und Compliance-Officer wird.
  4. Erstellen Sie einen Fahrplan bis Juli 2027 — unser AMLR-Bereitschaftsplan liefert die Struktur dafür.

Eine ausführliche Darstellung der Verordnung finden Sie in unserem AMLR-Überblick, zentrale Begriffe erklärt das Glossar.

Wo CompliDesk hilft

CompliDesk ist von Anfang an auf die Zahlen der AMLR gebaut: Die Mandanten- und Transaktions-Workflows kennen die 10.000-€-Schwelle, die 3.000-€-Bargeldschwelle und die Bargeldobergrenze bereits. Sichern Sie sich jetzt den kostenlosen Frühzugang über die Warteliste oder vereinbaren Sie eine Demo.

Allgemeine Informationen, keine Rechtsberatung. Dieser Artikel informiert allgemein über EU- und deutsche Geldwäschepflichten. Er ist keine Rechts-, Steuer- oder Compliance-Beratung. Regulatorische Details entwickeln sich bis 2027 weiter — prüfen Sie Primärquellen (EUR-Lex, AMLA und Ihre zuständige Aufsichtsbehörde) und holen Sie qualifizierten Rat ein, bevor Sie handeln.

AMLR-bereit vor dem 10. Juli 2027

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